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  • Jacqueline Kolesch

Buen Camino - 2. Woche

Aktualisiert: 10. Dez 2020

8. Tag: 4. Oktober 2020 von Logrono nach Navarrete - 12,73 km, 2:35h

Da ich keinen Pausentag einlegte, entschied ich mich nach 12,73 km in Navarrete zu übernachten. Die Strecke führte an einem Natursee, Weinbergen, Weingütern und der Autobahn vorbei. Es gab LKW Fahrer die hupten und Daumen hoch entgegenstreckten. Was für eine nette Geste. Ich dachte erst an eine Anmache. Unterwegs gab es seltsame Deko am Wegesrand, wie heute eine Puppe am Zaun. Der kleine Ort Navarrete mit seinem historischen Kern bestach mit seiner sehr schöne Kirche Mariä Himmelfahrt. In der Unterkunft war dieses Mal eine Küche. Abends gingen wir jedoch in ein gemütliches Restaurant. Der Eigentümer, Italiener, kreierte hervorragende Pasta anstatt der üblichen Fleisch/Pommes Gerichte. Auf dem Nachhauseweg hörte ich Russell. Wir besuchten ihn und bekamen ein Gute-Nacht-Ständchen.


Tag 9: 5. Oktober 2020 von Navarrete nach Azofra, 21,3 km, 4:42h

Ich war mit vielen Gedanken rund um meine Zukunft unterwegs. Was wird sie wohl in meiner alten, neuen Heimat bringen? Kurz vor meinem Camino Start bin ich wieder in meine Heimatstadt Biberach gezogen. Ich freue mich auf alle Fälle auf diesen neuen Lebensabschnitt. Meine Eltern, mein Sohn, mein Partner, meine Freunde - alle leben sie dort.

Der Camino führte weiter durch Weinberge und eine hügelige, abwechslungsreiche Landschaft. Für Fotos gab es einen perfekte blau/weißen Himmel.

"Ich liebe das Leben" oder "keep going" sind eines der vielen Botschaften auf dem Weg, um die es sich lohnt Ausschau zu halten.

Die Nacht durfte ich in der einzigen Pension im Ort in einem Bett mit Bettwäsche verbringen. So einen Tiefschlaf hatte ich schon lange nicht mehr.

Tag 10: 6. Oktober 2020 von Azofra nach Casteldelgado - 24,2km, 5:02h

Morgens war mein Ziel noch offen. Mit starkem Gegenwind ging es sehr oft nur geradeaus. Laufen, laufen, laufen - sonst nichts. Lediglich noch essen, duschen, schlafen. Das waren die einzigen Bereiche in denen man Entscheidungen treffen musste. Eine Wohltat im Vergleich zum Alltag zuhause. Die Unterkunft Bideluze war besonders erwähnenswert.Eine Herberge mit viel Liebe zum Detail, einem schönen Garten, leckeres Essen, Hippiemusik und einem freundlichen Hospitalero. Wir waren nur zu zweit in dieser Unterkunft.



Tag 11: 7. Oktober 2020 von Casteldelgado nach Villafranca Montes de Oca - 20,34km, 4:19h

Weiter geht's. Die Strecke begann nach einem schönen Start ziemlich zäh und verlief oft neben einer stark befahrenen Bundesstraße. Wohin fuhren all die vielen LKWs ? Dieser Warentransport von A nach B - unglaublich. Was davon war wohl lebensnotwendig? Später passiere ich viele Felder verblühter Sonnenblumen. Die letzten 2 km, als ich von La Rioja in die Provinz León y Castilla kam, konnte ich nicht mehr. Es war wieder zu heiß und anstrengend. Die Tage verliefen bisher konditionell so unterschiedlich. Dafür kam ich in den Genuss eines Einzelzimmers mit Bettwäsche und Handtüchern. Herrlich! Das waren die kleinen Freunden, die man so sehr zu schätzen lernte. Abends in der Bar kamen Pilger, die ich seit 1 Woche nicht sah. Große Wiedersehensfreude, viele Geschichten und ein paar Gläser Rotwein kamen hinzu.

Tag 12: 8. Oktober 2020 von Villafranca Montes de Oca nach Atapuerca - 16.01km, 3:12h

Nach einem steilen Aufstieg ging es sicher 10 km durch Eichenwälder und vorbei an einem unbewohnten Hippie-Rastplatz. Ich war ganz alleine hier und träumte mich in Zeiten als hier sicher viele internationale Pilger bei guter Musik, erfrischenden Getränken Pause machten. Dafür kam im nächsten Ort San Juan de la Ortega eine kleine Herberge mit einigen bekannten Gesichtern.

Auch das Kloster war sehenswert, vor allem das Kapitell mit dem dreiteiligen Weihnachtszyklus. Zweimal im Jahr während der Tagundnachtgleiche, also auch neun Monate vor der Geburt zur Empfängnis am 21. März, wird das Kapitell kurz vor Sonnenuntergang von Sonnenstrahlen beleuchtet.

Nach einer Mittagspause liefen wir zu acht bis Atapuerca. Eine private Herberge mit einem großen Garten war unser Ziel. Den großen Rasen nutzte ich in der Abendsonne für eine Yogaeinheit.

Tag 13: 9. Oktober 2020 von Atapuerca nach Burgos - 15,38km, 3h

Beim Start war es ganz schön kalt, zum Glück hatte ich meine Handschuhe eingepackt. Die frische Luft und der wunderschönen Sonnenaufgang schenkten mir Motivation. Nach einem kleinen Ansteig durch steiniges Gelände sah man bis zum 15 km entfernten Burgos. Das bedeutete ein kurzer Wandertag und Aufenthalt in einer größeren Stadt mit Sehenswürdigkeiten wie der Kathedrale. Hier legte ich meinen ersten Pausentag ein. Ich und meine Füße verdienten eine Belohnung. Abends gingen wir in einer der lebhaften Gassen Essen und danach auf einen Platz wo ich meinen Augen nicht traute. Trotz Corona Beschränkungen war hier fast Oktoberfeststimmung. Die Polizei war sehr präsent und sorgte für Ordnung.

Tag 14: 10. Oktober 2020 - Ruhetag in Burgos

Ausgeschlafen - hurra. Nach einem ausgedehnten Frühstück in einem Café ging ich in aller Ruhe für drei Stunden in die gotische Kathedrale, eine Bischofskirche. Seit 1984 UNESCO Weltkulturerbe und mit ihrer Größe und Architektur ganz besonders. 1221 gab König Ferdinand III. von Kastilien und Maurizio, dem Bischof von Burgos, den Bau in Auftrag. Anlass war die Hochzeit Ferdinands mit Beatrix von Schwaben. Wen es interessiert ,hier mehr zur Kathedrale. Die Architektur stand unter schwäbischem Einfluß. Für mich als Schwäbin erwähnenswert.

Außerdem entdeckte ich hier noch ein Gemälde, welches die Maria Magdalena darstellt. Es wird der Schule Leonardo da Vincis zugeschrieben.




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